Michael Thümmrich, Jahrgang 1953, Studium an der Kunstgewerbeschule, Basel, seit 1981 freischaffender Künstler
Der Künstler breitet großformatige Bildteppiche auf Papier oder ungrundierter Leinwand vor uns aus. Nicht vorgeplante Bildideen stehen im Focus seines Tuns, sondern spontanes Reagieren. In einem lang dauernden Prozess lässt er dem kreativen Spiel freien Lauf … mittels unterschiedlichster wasserlöslicher, transparenter, ölig opaker Malmittel entstehen ungeplante, überraschende Effekte, auf die er reagiert und die er immer weiterbearbeitet. Er addiert neue Bildelemente, kratzt aggressiv Löcher in die Schichten, reagiert auf Falten, tränkt zum Schluss den Malgrund mit Leinöl oder Schellack und verändert so seine Materialität, um zu diesen vielschichtigen, expressiven Arbeiten zu kommen.
Durch das Œuvre des Malers und Grafikers Michael Thümmrich zieht sich der „Freiheitsbegriff“ wie ein roter Faden. Es ist die Freiheit nicht abbilden zu müssen und somit im Dialog mit Leinwand oder Papier zu einer eigenständigen visuellen Bildsprache zu gelangen. Im Laufe der Zeit haben sich die Bilder von der reinen Abstraktion hin zu Arbeiten mit Formen und chiffreartigen Symbolen entwickelt. Dabei werden thematisch unterschiedliche Werkgruppen über einen längeren Zeitraum parallel bearbeitet.
Es ist ein Angebot an die Betrachterin, den Betrachter sich auf Unbekanntes einzulassen und geprägt durch eigene Erfahrungen das Gesehene zu deuten. Hierbei sind sie in ihrem Urteil frei, sie eignen sich das Bild gedanklich an, es wird ihr Bild. Somit schließt sich ein Kreis zwischen Maler, Bild und Betrachter.
Dr. Antje Lechleiter