Petra Frey, Studium der Kunsterziehung in Freiburg, seit 1997 als freischaffende Künstlerin tätig
Was geschieht, wenn Licht in einem nahezu dunklen Raum auf Glas trifft? Im Grenzbereich der Dämmerung werden Momente beobachtet, in denen der Gegenstand aus Glas oder seine Bruchstücke kaum noch wahrnehmbar sind, während Lichtreflexionen auf ihm, beinahe losgelöst von ihm, ein Eigenleben zu führen scheinen. Bei der Betrachtung des im Halbdunkel ungewiss werdenden Objekts scheint die Malerei in andere Bereiche außerhalb des Glases zu geraten, in andere Realitäten zu gleiten. Sie arbeitet mit einer Wahrnehmung, die sich selbst immer wieder unterläuft, indem sie auf andere Sichtweisen anspielt. Die Malerei tastet sich heran an Spuren von Licht, die sich in der Dunkelheit im Glas fangen, erspürt Momente, in denen es kontrastierend auf das umgebende Schwarz trifft, sich verliert oder verschwimmt. Sie thematisiert einen Grenzbereich, in dem das reale Motiv der Wahrnehmung entgleitet, unscharf wird. Das Glas in seiner Materialität scheint zu verschwinden und einem immateriellen Lichtspiel Raum zu geben, das sich von ihm trennt und verselbständigt.
Im Prozess der Malerei werden erste visuelle Eindrücke jetzt zunächst fotografisch eingefangen. Diese Notizen sind Annäherungen an Gebilde mit eigenen Strukturen und Formen, die so in der Realität nicht vorhanden sind und sich allenfalls erahnen lassen. Beim Blick in den Splitter, in seine Spiegelungen arbeitet sie sich mit ihren Mitteln der Betonung und Herausarbeitung von Bildelementen gleichsam in andere Bereiche hinein. Sie gestaltet sich als ein Weg der Bildfindung, in welcher die Leinwand während des Arbeitsprozesses mehrfach gedreht wird, ihr so mehrere Perspektiven eingeschrieben werden. Die Malerei als Prozess scheint vor ihrem Motiv autonom zu werden und zeigt doch gleichzeitig fließendes Licht, das an das langsame Fließen beim Entstehen von Glas erinnert.